Auswirkungen der Corona-Krise auf den Immobilienmarkt in Deutschland und Frankreich

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
Juni 2020        

Wie wirkt sich die aktuelle Corona-Krise auf den Immobilienmarkt in Deutschland und Frankreich aus und welche Immobilien werden zukünftig nachgefragt?

Deutschland: Wohn- und Logistikimmobilien kommen am besten durch die Krise

Aufgrund der sinkenden Nachfrage im Immobilienmarkt prognostiziert das Forschungs- und Beratungsinstitut Empirica in Deutschland einen Preisrückgang von 10 bis 25 %. Doch 2021 könne es nach Einschätzung der Experten zu einer „Stabilisierung“ und sogar einem leichten Anstieg kommen.

Die Stimmung am Immobilien-Investmentmarkt hat sich deutlich verschlechtert. 76 % der Immobilienunternehmen erwarten in diesem Jahr ein sinkendes Investitionsvolumen. Umgekehrt rechnen derzeit nur 4 % mit einer Steigerung. Das sind Ergebnisse einer kürzlich von EY Real Estate durchgeführten Befragung. Dabei kommen Wohn- und Logistikimmobilien nach Meinung der Befragten am besten durch die Krise.

Im Wohnimmobiliensegment hatten Anfang des Jahres 55 % der Marktteilnehmer weiter steigende Preise prognostiziert, inzwischen rechnen nur noch 16 % mit einem steigenden Preisniveau. Der positive Ausblick bei Büroimmobilien vom Jahresanfang hat sich inzwischen umgekehrt: 73 % erwarten nun sinkende Preise – nach 2 % zu Jahresanfang. Noch stärkere Auswirkungen werden für Einzelhandelsimmobilien befürchtet: Aufgrund der notwendigen Schließungen steigt der Anteil derer, die sinkende Preise erwarten, von 38 auf 87 %. Großes Sorgenkind ist auch das Hotelsegment. Hier waren zu Jahresbeginn gleichbleibende Preise erwartet worden, nun rechnen 95 % mit sinkenden Preisen.

Franzosen bevorzugen ruhige und naturnahe Wohnimmobilien

Wie in Deutschland wird auch in Frankreich der Immobiliensektor von der Intensität des Wirtschaftsaufschwungs nach der Corona-Krise abhängen, er wird aber sicherlich unter der im Jahr 2019 registrierten eine Million Transaktionen liegen. Die am meisten betroffenen Sektoren sind der Einzelhandel, die Hotellerie und Restauration sowie Seniorenresidenzen, die ein Fünftel des Immobilienmarktes ausmachen.

Gemäß einer im April durchgeführten Studie des Bauträgers Capelli scheinen trotzdem mehr als die Hälfte der Franzosen (57 %) ihr privates Immobilienprojekt weiterzuverfolgen. Aber die wirtschaftliche Unsicherheit könnte sie dazu verleiten, den Kauf einer größeren Wohnung zu verzögern. Außerdem werden sie, laut dieser Studie, mit einer Erhöhung des Zinssatzes konfrontiert, was den Wohnimmobilienkauf bremsen könnte.

Künftig wird einer von drei Franzosen eine ruhige und naturnahe Wohnimmobilie bevorzugen. Und 17 % schätzen, dass die Nähe zum Arbeitsplatz weniger wichtig ist.

Welche Immobilien sind künftig gefragt?

Wenn die Nachfrage nach Wohnimmobilien wieder anzieht, dürften sich Immobilienverkäufer in beiden Ländern allerdings mit neuen Präferenzen konfrontiert sehen. So dürften viele Käufer nach der Lockdown-Erfahrung größeren Wert darauf legen, dass eine Wohnung ein Arbeitszimmer, einen Balkon oder eine Terrasse hat. Auch bei Büroimmobilien wird es zunehmend auf großzügige Raumkonzepte ankommen. Und es bleibt abzuwarten, wie umfangreich die Arbeitsgewohnheiten durch neue Home-Office Regelungen zu einem Umbruch führen werden. Dementsprechend könnten die Preise für Büroimmobilien in Ballungsgebieten temporär fallen.

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