Corona-Krise: Aktuelle Zahlen und Aussichten für die deutsche und französische Wirtschaft

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
September 2020

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Corona-Krise auf die Wirtschaft in Deutschland und Frankreich? Die aktuelle Lage in beiden Ländern im Überblick.

Deutschlands Wirtschaft steht vor einer tiefen Rezession

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen für sich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in Deutschland im zweiten Quartal um 10,1 % im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Jahres gesunken. Das ist der stärkste Rückgang innerhalb eines Vierteljahres seit 1970. Im Vergleich zu 2019 ist die Wirtschaftsleistung um 11,7 % zurückgegangen. Die EU-Kommission sagt für Deutschland in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,3 % voraus und damit den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit.

Die deutschen Exporte haben im Juni um 14,9 % gegenüber dem Vormonat zugelegt (Statistische Bundesamt). Deutschland exportierte demnach im Juni Waren im Wert von 96,1 Milliarden Euro, die Importe beliefen sich auf 80,5 Milliarden Euro. Damit waren die Exporte im Juni 2020 jedoch um 9,4 % und die Importe um 10 % niedriger als im Juni 2019, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Ergebnisse mitteilte. Die Exporte werden nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wegen der Virus-Pandemie 2020 um 15 % schrumpfen.

Auch der Arbeitsmarkt steht wegen der Corona-Pandemie nach wie vor unter Druck, auch wenn sich die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs befindet. Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsverluste verhindert.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände rechnet für die deutsche Wirtschaft im übernächsten Jahr mit einer Rückkehr zu alter Stärke. Nach der Corona-Krise werde der Mangel an Facharbeitern wieder das Hauptwachstumshindernis der deutschen Volkswirtschaft sein.

Frankreichs Wirtschaft stärker eingebrochen als die deutsche

Die französische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2020 noch stärker eingebrochen als die deutsche. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank wegen der Corona-Schließungen von April bis Juni um 13,8 % zum Vorquartal, wie das Statistikamt Insee mitteilte.

Im Einzelnen sind im zweiten Quartal 2020 die Exporte um 25,5 % gesunken, der wichtige Konsum der Haushalte verzeichnete Einbußen von 11 % und die Investitionen der Unternehmen verringerten sich um 17,8 %. Frankreichs Wirtschaft litt unter einer besonders strengen und langen Ausgangssperre infolge der Corona-Pandemie. Nach Angaben von Insee hat sich der Außenhandel negativ auf die Wirtschaft ausgewirkt und zu einem Wachstumsrückgang von – 12,3% geführt.

Die weitere Entwicklung 2020 und 2021 ist höchst ungewiss und hängt von staatlichen Maßnahmen ab. Die französische Regierung hatte frühzeitig einen umfassenden Schutzschirm über die Wirtschaft ausgebreitet, in Form von Kreditgarantien, Kurzarbeit, der Stundung von Steuern und Abgaben und einem Solidaritätsfonds für kleine Firmen (mesures immédiates de soutien aux entreprises). Dieser hat sich bisher als sehr effektiv erwiesen, um Insolvenzen und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die verschlechterte Wirtschaftslage ist aber ein Risikofaktor für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen und der Unternehmenskonkurse. Diese dürften zwischen 2019 und 2021 nach Schätzungen um 25 % steigen, und damit mehr als in Deutschland (+ 12%).

Die Zentralbank erwartet 2021 eine Erholung des BIP um 6,9 %. Erst 2022 würde die französische Wirtschaftsleistung demnach wieder das Niveau vom Jahresende 2019 erreichen.

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