Deutsche und französische Textilindustrie im Vergleich

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

In den letzten Jahrzehnten war die deutsche und französische Textilbranche von der Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer und dem Rückgang der Arbeitsplätze geprägt. Heute versprechen vor allem technische Textilien und ihre vielfältigen Anwendungs- und Verwendungsmöglichkeiten der Textil- und Bekleidungsindustrie in beiden Ländern gute Zukunftsperspektiven.

Die Textilbranche ist zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie wird mit etwa 1.400 vorwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen und mehr als 135.000 Beschäftigten beziffert. Sie gilt nach der Nahrungsmittelindustrie als zweitgrößte Konsumgüterindustrie des Landes. Die Branche erwirtschaftete 2017 einen Jahresumsatz von 35 Milliarden Euro, wovon rund 60 % im Textil- und 40 % im Bekleidungssektor umgesetzt wurden. Die Schwerpunkte der deutschen Textilindustrie liegen im Süden Deutschlands sowie in Nordrhein-Westfalen (Quelle: Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie).

Forschungsnahe textile Anwendungen aus Deutschland genießen weltweit ein hohes Ansehen. Deutschland ist Marktführer und Vorreiter bei innovativen Textilien für die Automobilindustrie, das Gesundheitswesen sowie den Bausektor und die Luft- und Verkehrstechnik. Dafür sorgen unter anderem 16 Forschungsinstitute mit rund 1.400 Mitarbeitern. 

Im Jahr 2017 erzielten die deutschen Unternehmen 48 % ihres Umsatzes mit Textilien im Ausland. Mit einem Umsatzplus von 7,7 % sind insbesondere die technischen Textilien auf dem Markt im In- und Ausland nachgefragt. Neben den führenden Außenhandelspartnern China und USA, zählen Österreich, die Schweiz und Frankreich zu den wichtigsten europäischen Exporthandelspartnern. Bei den europäischen Importnationen stehen die Türkei, Italien und die Niederlande an der Spitze. Frankreich importierte 2017 deutsche Textilien im Wert von 0,8 Milliarden Euro und belegte damit den 5. Platz.

Frankreich: Steigerung der Beschäftigtenzahlen nach vierzig Jahren des Rückgangs

Auch die französische Textilbranche war lange von der Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer und dem Rückgang der Arbeitsplätze geprägt. Die vom französischen Statistikamt INSEE veröffentlichten Zahlen zeigen, dass 2018 der Umsatz im französischen Textilsektor im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 % und die Anzahl der Arbeitsplätze um 0,9 % gestiegen ist. Auch die ‚Union der Textilindustrien‘ (UIT) bestätigt, dass die Zahl der Beschäftigten nach vierzig Jahren des Rückgangs 2017 erstmals um 3,6 % gestiegen ist. Der französische Textilsektor zählte 60.350 Arbeitsplätze, 2.150 Unternehmen und 13,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2017, das entspricht einem Plus von 1,4 % gegenüber dem Vorjahr.

Frankreich importierte im Jahr 2017 Textilien im Wert von 16,5 Milliarden Euro (+2 %). Die wichtigsten Herkunftsländer sind China, Italien, Bangladesch, Türkei und Deutschland. Bei den Exporten wurden 8,9 Milliarden Euro erzielt (+2 %). Die meisten Textilexporte gingen nach Italien, Deutschland, Spanien und Belgien (Quelle: UIT/IFM/Douanes).

Der Aufschwung der französischen Textilindustrie wird getragen von einem kompletten Umbruch und damit einhergehenden Angebotserweiterung und Diversifizierung. Was die französische Textilindustrie heute antreibt, sind technische Gewebe. Diese Kategorie macht heute zwei Drittel der Textilindustrie in Frankreich aus - verglichen mit etwa 30 % im Jahr 2010 - und Frankreich zum zweitgrößten Hersteller von technischen Textilien in Europa. 

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