Deutschland: Erneuerbare Energien auf Rekordniveau

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
Februar 2020

Trotz der aktuell nicht unkritischen Situation bei den Neuaufstellungen im Windbereich sowie der weiterhin offenen politischen Diskussion zum Thema Energiewende gehören Deutschlands Ziele in der Energiepolitik zu den ambitioniertesten weltweit. Bis 2050 soll 80 % des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Im Zuge der Energiewende sollen Kohle, Gas und Atomkraft durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Bis 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet sein, bis 2038 ist der Kohleausstieg geplant. Der Ökostrom-Anteil soll ferner bis 2030 auf 65 % steigen.

Berechnungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass erneuerbare Energien insbesondere Steinkohle und Erdgas aus dem deutschen Energiemix verdrängen. Im Bereich der Wärmeversorgung und im Verkehrssektor führt der Einsatz erneuerbarer Energien aber auch zu Einsparungen von Heizöl, Dieselkraftstoff und Ottokraftstoff. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) hat die Windenergie 2019 erstmals mehr Strom erzeugt als jeder andere Energieträger. Der Wind hat demnach die Braunkohle von Platz eins im Stromerzeugungsmix verdrängt. 

Insgesamt wurden 2019 fast 243 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen.  Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen am Stromverbrauch lag nach 38,2 % im Jahr 2018, bei fast 43 % im Jahr 2019. Das ergeben vorläufige Berechnungen, des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbandes Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Den höchsten Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien lieferten die Windräder an Land. Sie haben aufgrund des windreichen Wetters fast 104 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Danach folgen Photovoltaikanlagen, Biomasse und die Offshore-Windenergie. Die Wasserkraft belegt den fünften Platz.

Allerdings sieht Herr Dr. Patrick Graichen, Direktor von AGORA Energiewende die Aussichten in der am 7. Januar veröffentliche Jahresauswertung 2019 eher negativ: „Denn der Ausbau bei der Windenergie ist in den letzten zwei Jahren um über 80 Prozent eingebrochen und somit fast zum Erliegen gekommen. Weil zudem im Jahr 2019 die Ausschreibungen für neue Windkraftanlagen nicht voll ausgeschöpft wurden, werden wir auch in den nächsten Jahren keine beeindruckenden Zubauzahlen bei der Windenergie sehen. Es ist an der Bundesregierung, jetzt rasch die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass die Windkraft wieder vorankommt. Sie ist das Arbeitspferd der Energiewende, ohne Windkraft werden wir weder den Kohleausstieg noch die Klimaschutzziele erreichen.“

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