Grand Est, eine Grenzregion mit tiefer europäischer Verwurzelung

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

Die Region Grand Est umfasst das Elsass, die Champagne-Ardenne und Lothringen, erstreckt sich über 57 441 km² und zählt 5 559 051 Einwohner, was 8,4 % der französischen Bevölkerung entspricht. Sie ist die einzige Region Frankreichs, die an vier Nachbarländer grenzt: Deutschland, Belgien, Luxemburg und die Schweiz. Dieser Vorteil verleiht ihr eine besondere Öffnung gegenüber Europa. Die Region zählt fünf Städte mit über 250 000 Einwohnern: Metz, Mülhausen, Nancy, Reims und Straßburg.

Landwirtschaft und Industrie: Die beiden vorherrschenden Wirtschaftssektoren der Region Grand Est

Die Region positioniert sich in der nationalen Rangfolge der Agrar- und Lebensmittelproduktion auf Platz 1. Sie ist zu beinahe 80 % land- und forstwirtschaftlich genutzt. Gleichzeitig ist die Region Grand Est nach der Île-de-France die zweitstärkste Industrieregion. In der Industrie sind 16 % der regionalen Arbeitnehmer beschäftigt, vorzugsweise im Automobilsektor, in der Metallindustrie, in der Textilbranche und im Maschinenbau. Der regionale Lebensmittelsektor ist Marktführer in der Getränkeproduktion, insbesondere dank seiner Champagnermarken, seiner elsässischen Weine und seiner Mineralwassermarken. Wie der Automobilsektor und die Pharmaproduktion ist er maßgeblich für die guten Ergebnisse des regionalen Außenhandels verantwortlich (Platz 2 unter den französischen Exportregionen). Mit 75 000 Beschäftigten ist die Region Grand Est die führende französische Landwirtschaftsregion: Die Getreide- und Ölsaaten- und Proteinpflanzenproduktion belegt den 1. Platz, der Weinbau steht an zweiter Stelle.

Kulturschätze mit zentraler Lage in Europa

Die Vielfalt und Fülle des Kultur- und Naturerbes mit ihrer guten Anbindung an die weiteren Regionen Frankreichs und die Nachbarländer begünstigen die Tourismusbranche in der gesamten Region: Sechs UNESCO-Welterbestätten, fünf Weinstraßen, sechs regionale Naturparks sowie zahlreiche nationale Museen und Bühnen. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke (LGV Est), die an die Netze der Nachbarländer angeschlossen ist, durchzieht die Region von Westen nach Osten. Mehrere Luftfahrt-Drehkreuze von europäischer und nationaler Bedeutung befinden sich in der Region Grand Est, und die Luftverkehrsknotenpunkte von Paris, Luxemburg, Frankfurt und Zürich sind leicht erreichbar. Der EuroAirport Basel-Mülhausen besitzt sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene eine zentrale Bedeutung.

Grand Est: Zweitstärkste Exportregion Frankreichs

2017 richten sich die Exporte der Region Grand Est zu 75 % an die Europäische Union und zu 60 % an den Euroraum. Die Importe kommen zu 71 % aus der Europäischen Union und zu 59 % aus der Eurozone. Deutschland nimmt unter den Handelspartnern mit 26 % der regionalen Geschäfte mit Abstand eine Spitzenposition ein. Mit einem Gesamterlös von 62,5 Milliarden Euro aus dem internationalen Handel stellt die Region Grand Est die zweitstärkste Exportregion Frankreichs dar, bleibt aber weit hinter der Region  Île-de France zurück.

Gemäß den Zahlen des INSEE (Nationales Institut für Statistik und Wirtschaftsplanung) verzeichnet die Region zwischen den Jahren 2016 und 2017 eine Exportsteigerung von 4,2 %. Obwohl die Importe ebenfalls im Anstieg begriffen sind (+ 6,3 % auf 58,8 Milliarden Euro), bleibt der Handelsbilanzüberschuss der Region bestehen.

Eine auf die Industrie ausgerichtete Produktion

Der Industriepark der Region begünstigt die regionale Wirtschaft. Im Jahr 2017 macht dieser Sektor 46 % der Gesamtexporte aus und verzeichnet erhebliche Steigerungen in der Automobilausstattung (+ 10 %), Automobilproduktion (+ 7 %) und vor allem in der Stahlindustrie (+ 17 %). Elektronische und mechanische Geräte, die 22 % der Exporte ausmachen, verzeichnen eine etwas geringere Steigerung von 3 %. Darüber hinaus profitiert die Region Grand Est vom internationalen Ansehen des Champagners und des elsässischen Weines, die einen Anstieg von 2 % aufweisen.