Investmenthilfe über Grenzen hinweg

Rubrik: Wirtschaft Autor: Immobilien Zeitung
Februar 2021

Die Landesbank Saar (SaarLB) bringt Investoren und Assets in Deutschland und Frankreich zusammen. Dazu hat sie 2019 das Netzwerk Pôle Franco-Allemand gegründet.

Hubert Goldhofer, Direktor und Leiter der Abteilung Immobilienfinanzierung und Michael Heß, Direktor und Leiter des Pôle-Allemand, ziehen eine erste Zwischenbilanz.

Immobilien Zeitung: Die SaarLB versteht sich als eine deutsch-französische Bank. Wozu der neue Anlauf mit dem Pôle Franco-Allemand?

Michael Heß: Mit dem Frankreichgeschäft haben wir 75 Jahre Erfahrung. Die Erfolge führten in den 2000er Jahren zur Gründung der SaarLB France mit den heutigen Standorten Strasbourg und Paris. Mit dem Pôle Franco-Allemand fokussieren wir uns jetzt stärker auf die von grenzüberschreitenden Investitionen. Dank der Partnerunternehmen bietet der Pôle eine erweiterte Dienstleistungspalette an und engagiert sich auch über die regionalen Zielmärkte der SaarLB hinaus, also dem Grand Est und der île de France in Frankreich sowie dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Teile Hessens und Baden-Württembergs in Deutschland. Diese besondere Stellung sowohl auf dem deutschen als auch dem französischen Markt verdeutlicht ein Blick auf den Kundenkreditbestand der SaarLB: Bei einer Bilanzsumme von 14,67 Mrd. Euro zum 30. Juni 2020 beläuft sich unser Kreditbestand auf 10,89 Mrd. Euro, der zu 56% auf das Deutschland- und zu 44% auf das Frankreichgeschäft aufgeteilt ist.

IZ: Wie kann der Pôle den deutschen Investoren bei ihrem Engagement in Frankreich helfen?

Hubert Goldhofer: Wir unterstützen unsere institutionellen deutschen und französischen Investoren, die in ihren jeweiligen Heimatmärkten keine ausreichend große Anlagemöglichkeiten mehr finden, dadurch, dass wir erst einmal das Bewusstsein für Frankreich oder Deutschland als interessanten Investmentmarkt herstellen. Um die Markteintrittsbarrieren möglichst niedrig zu halten, helfen wir mit Fachwissen aus unserem Haus und der Vermittlung von Experten aus dem Pôle. Dadurch muss der Investor vor Ort kein eigenes Team aufbauen, was bei dem Einstieg in einen teils unbekannten Auslandsmarkt stets eine hohe Hürde darstellt.

IZ: Wie sieht Ihr Angebot konkret aus?

Goldhofer: Das fängt bei der Sprache an. Nicht jeder Anwalt, Architekt, Steuerberater, Bauunternehmer oder Dienstleister ist zweisprachig. Dazu kommt, dass beide Länder unterschiedliche steuerliche Vorgaben haben und ein ganz anderes Rechtssystem. Wir kennen die Teilnehmer im Pôle und können somit unseren Kunden Empfehlungen aussprechen. Das geht hin bis zu scheinbar alltäglichen Aspekten, wenn wir die Unterzeichnung eines Notarvertrags im grenznahen Frankreich organisieren, für die der Investor sonst hätte nach Paris reisen müssen.

IZ: Andere Banken bieten ebenfalls grenzübergreifende Beratung an. Was unterscheidet den Pôle Franco-Allemand davon?

Heß: Solche Akteure konzentrieren sich mit ihrem French oder German Desk gezielt auf ihre eigenen Kunden und ihre Bankdienstleistungen. Natürlich liegt der Fokus der SaarLB als grundsätzlich klassische Kreditbank auch mit dem Pôle Franco-Allemand auf der Finanzierung der Projekte und Investitionen. Unser Ansatz ist jedoch breiter. Dazu gehört auch, dass wir ganz allgemeines Marketing, insbesondere mit unserer digitalen Plattform www.pole-franco-allemand.de betreiben wollen. Wir unterstützen mit den Aktivitäten des Pôle Franco-Allemand nicht zuletzt auch die Frankreichstrategie des Saarlands, das gleichzeitig unser Mehrheitsgesellschafter ist. Diese Strategie dient sozusagen als Brücke zwischen den beiden Ländern Deutschland und Frankreich und möchte beide Länder und deren Wirtschaft stärker zusammenbringen und enger verzahnen. Im Zentrum dieser Strategie steht übrigens auch das Ziel, dass die Saarländer innerhalb einer Generation bilingual werden.

IZ: Wer ist auf deutscher Seite Ihre Zielgruppe?

Goldhofer: Wir setzen unseren Schwerpunkt ganz klar bei institutioneilen Investoren. Mit dem Pôle versuchen wir als SaarLB, uns aus dem Wettbewerb um niedrige Margen und hohe Risikobereitschaft herauszuziehen.

IZ: Wie ist das Immobiliengeschäft strukturiert, das im Pole-Netzwerk abläuft?

Goldhofer: Rund 80% des Finanzierungsvolumens bezieht sich auf Bestandsimmobilien, 20% auf Projektentwicklungen, in der Regel Büroobjekte. Deutsche Investoren bevorzugen Büroobjekte in Frankreich. Das bedeutet in unserem stark zentralisierten Nachbarland sehr oft Paris, aber wegen der dortigen sehr niedrigen Renditen weichen deutsche Investoren seit Jahren auf andere Großstädte wie zum Beispiel Lyon aus. Französische Investoren sind in Deutschland meist breiter aufgestellt, von Büros über Fachmarktzentren und Logistik bis hin zu Hotels.

IZ: Wie stellen Sie sich die weitere Entwicklung des Pôle Franco-Allemand vor?

Heß: Nachdem wir uns gut aufgestellt haben und die Arbeitsabläufe funktionieren, wollen wir auch im kommenden Jahr weitere Partner ins Boot holen. Darüber hinaus wollen wir stärker Aufmerksamkeit für grenzüberschreitende Investments wecken und noch genauer einzelne Zielgruppen ansprechen. Anfang 2021 wollen wir eine Webinar-Serie starten und das nach einer Besserung der Corona-Situation hoffentlich bald auf Konferenzen in Form von Präsenzveranstaltungen ausweiten. Zudem sind wir offen für Vorschläge von unseren Partnern für neue gemeinsame kommerzielle Initiativen und Kampagnen.

IZ: Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Volker Thies.

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