Künstliche Intelligenz, die vierte industrielle Revolution

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

Künstliche Intelligenz (KI) wird unseren Alltag, unser Leben, unsere Arbeit und die Gesellschaft verändern. Neben Sprachassistenten, Supercomputern und Industrierobotern gerät die Thematik des autonomen Fahrens zunehmend ins Zentrum tagesaktueller Diskussionen. Die weltweiten Umsätze mit Unternehmensanwendungen im Bereich künstliche Intelligenz werden für das Jahr 2020 auf rund 4,8 Milliarden US-Dollar prognostiziert. (Quelle: Statista)

KI birgt ein enormes Potenzial für Effizienzsteigerungen, neue Geschäftsmodelle und qualifizierte Arbeitsplätze. Um KI aber gewinnbringend, sicher und den ethischen Grundsätzen der Gesellschaft entsprechend planen und einsetzen zu können, müssen zum einen bestehende technologische Ökosysteme berücksichtigt werden und zum anderen notwendige unternehmenskulturelle Veränderungen auf den Weg gebracht sowie regulatorische Ordnungsrahmen und vertrauensfördernde Standards geschaffen werden.

Künstliche Intelligenz in Deutschland

Zahlreiche führende Volkswirtschaften haben bereits nationale Strategien zu der Frage verfasst, wie sie KI künftig nutzen und gestalten wollen. Auch Deutschland hat im Juli 2018 ein Eckpunktepapier zur Vorbereitung einer deutschen KI-Strategie vorgelegt. Damit will Deutschland weltweit Vorreiter bei der Erforschung und Anwendung Künstlicher Intelligenz werden und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit intelligenten Systemen in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung gelangen. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung unter Federführung der drei Bundesministerien für Arbeit und Soziales, Wirtschaft und Energie und Bildung und Forschung die wesentlichen Handlungsfelder, Maßnahmen und Regularien für ein zukünftiges weltweit anerkanntes Gütesiegel „KI Made in Germany“ identifiziert und für die deutsche KI-Strategie herausgearbeitet.

Sehr engagiert im Bereich Künstliche Intelligenz ist zum Beispiel das Saarland. So wird in Saarbrücken ein 10 Hektar großer Gründercampus im Umfeld des Helmholtz-Zentrums für IT-Sicherheit (Cispa) und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) geplant. Das DFKI zählt zu den wichtigsten „Centers of Excellence“, dem es gelungen ist, Spitzenleistung rasch in praxisrelevante Anwendungsmöglichkeiten umzusetzen.

Drei Milliarden Euro für die KI-Strategie in Deutschland

Die EU-Länder haben sich in einer Initiative dazu verpflichtet, ihre Ressourcen zu bündeln, um einen gemeinsamen Ansatz für künstliche Intelligenz zu entwickeln und den asiatischen und amerikanischen Marktführern entgegenzuwirken. Deutschland will bis 2025 rund drei Milliarden Euro für die KI-Forschung bereitstellen, Frankreich bis 2023 etwa 1,5 Milliarden Euro und die EU-Kommission ab 2020 jährlich eine Milliarde aus dem EU-Budget. Die übrigen Staaten sollen nachziehen und Pläne mit konkreten Finanzierungszielen aufstellen.

Für den Industriestandort Deutschland prognostiziert die Agentur Accenture durch den Einsatz von KI bis 2035 einen Anstieg des Wirtschaftswachstums auf jährlich 3%. Das wäre mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Basis-Szenario mit einer Wachstumsrate von 1,4% pro Jahr, welches die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft auf Grundlage des technologischen Stands von heute voraussagt. Die Produktivität der Beschäftigten in Deutschland kann dank KI um 29% steigen, da sich viele Arbeitsabläufe effizienter gestalten lassen und Mitarbeiter ihren Fokus auf Aufgaben mit einer hohen Wertschöpfung legen können. Die zusätzliche Bruttowertschöpfung beziffert sich auf knapp eine Billion Euro für den gesamten Zeitraum bis 2035.

Doch in großen Teilen der Wirtschaft sind die smarten Algorithmen noch nicht angekommen. Nach einer neuen Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) wenden nur 20% der deutschen Firmen KI an, 30% sind noch in der Entwicklungsphase, und gut die Hälfte schaut nur zu. 

Künstliche Intelligenz in Frankreich

Künstliche Intelligenz gehört auch in Frankreich zu den wichtigsten Zukunftsbranchen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellte 2018 einen Investitionsplan in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zur Unterstützung der Entwicklung der künstlichen Intelligenz in Frankreich vor. Ziel ist es, Frankreich unter die globalen Leader auf diesem Gebiet zu bringen. Das Land verfügt bereits über gute theoretische Kenntnisse, aber es gibt noch kein führendes französisches Unternehmen in dem Bereich.

In der Strategie mit dem Namen Artificial Intelligence (AI) for Humanity geht es um drei Themen. Erstens: Frankreich soll für Fachkräfte und Talente, auch aus dem Ausland, attraktiv sein. Zweitens: Die Forschung soll durch die Bereitstellung von Daten gefördert werden. Drittens: Das Land will eine internationale Debatte über die ethischen Aspekte der KI anstoßen.

Laut Bpifrance le Hub würde künstliche Intelligenz im Jahr 2024 einen Markt von 11 Milliarden Dollar in Frankreich darstellen, angetrieben von einem Wachstum von 53% zwischen 2015 und 2020. Die Produktivität könnte sich in Frankreich dadurch um bis zu 20% steigern. Frankreich befindet sich auf dem siebten Rang gemessen an der Anzahl der Start-Up Unternehmen, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Mit 109 Start-Ups liegt Frankreich vor dem nächstplatzierten Deutschland.

Engere Vernetzung deutscher und französischer Forschungsinstitute

Vier Forschungsinstitute in Grenoble, Nizza, Paris und Toulouse werden zu KI-Zentren (Instituts interdisciplinaires d'intelligence artificielle) ausgebaut und erhalten dafür Fördergelder. Zusätzlich werden außerhalb der vier Zentren 40 KI-Lehrstühle geschaffen. Die entsprechende Zahl der Doktoranden soll auf 500 pro Jahr verdoppelt werden.

Auch die Kooperation mit Deutschland soll ausgebaut werden. Dazu sind Projektwettbewerbe geplant, die mit 3 Millionen Euro im Jahr gefördert werden. Forschungsinstitute auf beiden Seiten sollen enger vernetzt werden. Führende Institute wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz mit Sitz in Kaiserlautern und Saarbrücken sollen noch enger mit den Kollegen etwa in Toulouse oder Grenoble zusammenarbeiten. Talentierte Nachwuchsforscher sollen über ein Doktoranden- und Postdoc-Programm der Kommission in Europa gehalten werden. Damit auch kleinere Unternehmen Zugang zu KI-Technologien bekommen, sollen diese über Digital Innovation Hubs in den EU-Staaten zugänglich gemacht werden.

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