Mittelständische Unternehmen: Welche Aspekte für die Standortwahl in Deutschland und Frankreich sprechen

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

Ganz gleich ob mittelständische Unternehmen ihre Produktion verlagern, weitere Kapazitäten schaffen oder die Nähe zu ihren Absatzmärkten suchen, die richtige Standortwahl ist entscheidend für den Unternehmenserfolg. Deutschland und Frankreich gehören weltweit zu den attraktivsten Wirtschaftsstandorten und bieten mittelständischen Unternehmen ausgezeichnete Rahmenbedingungen für Investitionen.

Die deutsche und die französische Wirtschaft sind stark miteinander verknüpft und ergänzen sich gegenseitig. 2737 französische Unternehmen sind in Deutschland ansässig. Sie beschäftigen 363 000 Personen und erzielen dem französischen Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien (INSEE) zufolge einen Umsatz von 147 Mrd. Euro. Umgekehrt sind 3 200 deutsche Unternehmen in Frankreich ansässig, beschäftigen 310 000 Personen und erzielen einen Umsatz von 141 Mrd. Euro.

Deutschland punktet mit guter Verkehrsinfrastruktur und hohem Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte

469 Milliarden Euro ausländischer Investitionen sprechen für sich: Deutschland ist ein Wirtschaftsstandort von Weltklasse. Zu den Standortfaktoren, die für Deutschland als Wirtschaftsstandort sprechen, gehören die zentrale Lage innerhalb Europas und das ausgezeichnete Verkehrsnetz.

Vor allem aus Investorensicht punktet der Standort Deutschland mit seiner Verkehrsinfrastruktur und dem Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte: Mehr als vier von fünf Managern bewerten diese Standortfaktoren als insgesamt attraktiv (Quelle: EY Attractiveness Survey Deutschland 2019). Tatsächlich belegt Deutschland im „Logistics Performance Index“ der Weltbank seit Jahren den ersten Platz. Auch wenn es einen hohen Investitions- und Modernisierungsbedarf gibt, sind Straßen, Schienennetz, Brücken und Wasserwege in Deutschland insgesamt nach wie vor in einem guten Zustand.

Deutschlands Vorteile liegen aber auch im Bereich innovativer, zukunftsweisender Produkte und Dienstleistungen — dafür sorgen insbesondere das hohe Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte und das stabile politische und rechtliche Umfeld. Gerade durch die zunehmende Verschiebung von der Industriegesellschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft tun sich in Deutschland auch neue Möglichkeiten auf. Nach wie vor gilt "Made in Germany" als Qualitätsgarantie und die Chancen stehen gut, dass Deutschland auch in Zukunft als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben wird.

Trotz relativ hoher Arbeitskosten bleibt Deutschland weltweit ein Premiumstandort

Ein Blick auf die Statistik zeigt aber auch, dass die Arbeitskosten in Deutschland im internationalen Vergleich relativ hoch sind. Laut Eurostat lagen sie in Deutschland im vergangenen Jahr bei 34,60 Euro pro Stunde — der EU-Durchschnitt lag bei 27,40 Euro. Aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Deutschland und den beiden anderen wichtigen europäischen Investitionsstandorten Großbritannien und Frankreich: In Großbritannien fielen 2018 nur 27,40 Euro an, in Frankreich hingegen 35,80 Euro.

Deutschlands weltweit hervorragender Ruf als Premiumstandort sowie der enge Verbund deutscher universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen mit in Deutschland ansässigen, weltweit agierenden Großkonzernen, sind weitere wichtige Vorzüge, die für den Standort Deutschland sprechen. Allerdings werden besonders lohnintensive Bereiche, bei denen vor allem die Arbeitskosten ins Gewicht fallen und weniger die Qualifikation der Beschäftigten, am Standort Deutschland tendenziell eine immer geringere Rolle spielen.

Frankreich: Attraktiver und sicherer Standort für internationale Investoren

Mit einem BIP von 2 463 Milliarden Euro ist Frankreich die sechstgrößte Wirtschaft der Welt und bietet ein wettbewerbsorientiertes Unternehmensumfeld für ausländische Firmen. Frankreich profitiert nicht nur von einer geostrategisch vorteilhaften Lage im Herzen des europäischen Kontinentes, sondern gilt auch als Knotenpunkt zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeer. Zu den beliebtesten Standorten für ausländische Direktinvestitionen in Frankreich gehören auf Grund ihres hohen Kunden- und Absatzpotenzials die Regionen Île-de-France und Auvergne-Rhône-Alpes. Beliebter Standort deutscher Unternehmen ist auch der Nordosten Frankreichs.

28.000 Filialen internationaler Unternehmen sind in Frankreich mit geschätzten zwei Millionen Arbeitnehmern vertreten. Allein 2017 konnten durch ausländische Investitionen mehr als 30.000 Stellen geschaffen oder erhalten werden. (Quelle: Business France)

Deutschland ist zweitgrößter ausländischer Investor in Frankreich

2018 stand nach wie vor im Zeichen der engen wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Frankreich und Deutschland. So konnte sich Frankreich weiterhin als führendes Gastland für arbeitsplatzschaffende Investitionen aus Deutschland positionieren.

Laut Business France war Deutschland im Jahr 2018 mit 180 Investitionsprojekten der zweitgrößte erwerbsschaffende Direktinvestor in Frankreich nach den USA. Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr 3.618 Arbeitsplätze in Frankreich geschaffen.

Sehr gute Infrastrukturen und gesicherte Unternehmensfinanzierung

Eine aktuelle Studie von Kantar Public, die von Business France (Agentur für internationale Entwicklung der französischen Wirtschaft) in Auftrag gegeben wurde, beleuchtet die Attraktivität Frankreichs bei ausländischen Investoren. Die Beurteilung der Rahmenbedingungen wird als sehr positiv bewertet. An erster Stelle des Attraktivitätsbarometers stehen sehr gute Infrastrukturen, ein verbessertes regulatorisches Umfeld und eine funktionierende Unternehmensfinanzierung mit Schwerpunkt auf forschungsstarke Unternehmen. So ist das französische Infrastruktur-Netz europaweit Nummer 1. Begründet wird dies mit einem schnellen Internet in Breitband-Qualität, einer erstklassigen Netzqualität bei der Stromversorgung und mehreren Flughäfen, die unter den besten in Europa gelistet sind.

Zur Attraktivität Frankreich tragen letztlich auch international anerkannte Schulen und Universitäten bei, die einen Pool an potentiellen Mitarbeitern darstellen. So stehen im aktuellen Financial Times Ranking für die Kategorie ‚Master in Management‘ drei Pariser Schulen in den Top 10 (HEC, ESSEC, ESCP Europe).

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