Mittelstand: Deutsche und französische Unternehmen unterschätzen die Bedeutung der eigenen Website

Rubrik: Wirtschaft Autoren: Jitka Mencl-Goudier
März 2020

Der Internetauftritt als Aushängeschild und digitale Visitenkarte ist essentiell für die erfolgreiche Unternehmenspräsentation und ein wichtiges Instrument im grenzüberschreitenden Geschäft. Auch wenn eine Webseite für die Kundengewinnung und Außendarstellung des Unternehmens unabdingbar ist, unterschätzen viele Mittelständler in Deutschland und Frankreich immer noch die Bedeutung eines professionellen Webauftritts.

95 % der deutschen Webseiten haben Optimierungsbedarf

Im Jahr 2019 verfügten laut Statistischem Bundesamt 66 % der deutschen Unternehmen über eine eigene Website. Doch kleine und mittlere Unternehmen verspielen Chancen durch einen schlechten Internetauftritt. Das Örtliche, Deutschlands führendes lokales Verzeichnis für Unternehmen, Behörden und Privateingänge, hat im Jahr 2018 gemeinsam mit der Search & Information Industry Association (SIINDA) 190.000 deutsche Websites untersucht und wichtige Faktoren identifiziert, mit denen kleine und mittelständische Unternehmen ihre Sichtbarkeit erhöhen können. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Bei 95 % der Webseiten bestand Optimierungsbedarf. Fast 60 % der Webseiten wiesen sogar eklatante Mängel auf. Die Probleme sind technischer, aber auch inhaltlicher Art. Mängel fanden sich auch bei der Aktualität der Inhalte. 42 % der Webseiten wurde binnen eines ganzen Jahres nicht aktualisiert. Obwohl viele Firmen Handel betreiben, bieten nur fünf Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen einen Onlineshop an.

Ebenfalls ausbaufähig: Nur 43 % der KMU Websites sind mit der Verschlüsselungstechnologie SSL gesichert. Suchmaschinen behandeln diese Seiten nachrangig. Und obwohl Suchmaschinen Webseiten mit Videos höher ranken, gibt es bei 92 % der kleinen und mittleren Unternehmen kein Bewegtbild. Außerdem nutzt nur ein Drittel der Unternehmen Analysetools wie zum Beispiel Google Analytics Auswertungsmöglichkeiten zur Optimierung.

30 % der französischen KMU haben immer noch keinen Internetauftritt

Laut einer Studie von Google und dem Beratungsunternehmen YouGov aus dem Jahr 2019, hat für kleine und mittelständische Unternehmen in Frankreich die Kundensuche die höchste Priorität, aber nur ein Drittel von ihnen besitzen einen Internetauftritt. 500 Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern wurden im Rahmen dieser Studie befragt.

Im Zuge der sich ändernden Konsumgewohnheiten und der zunehmenden Nutzung von Mobiltelefonen, ist es gerade für die KMUs entscheidend im Web sichtbar zu sein. Die Studie zeigt, dass 30 % der mittelständischen Unternehmen in Frankreich keine eigene Webseite besitzen und mehr als 60 % sich nicht um Ihre Sichtbarkeit im Web kümmern. Dies steht im Gegensatz zum Konsumverhalten. Denn mehr als 85 % der Franzosen kaufen online, aber nur 16 % der KMU verkaufen ihre Produkte im Internet.

Das Unternehmenswachstum zu sichern und neue Kunden zu finden, bleiben auch in diesem Jahr die Prioritäten französischer Firmenchefs mittelständischer Unternehmen. Das Internet wird dabei als Instrument vernachlässigt. In der Tat kommt Frankreich bei der Internetpräsenz nur auf den 16. Platz innerhalb der 27 EU-Länder. Von den insgesamt 9 Millionen Domainennamen sind nur 3,3 Millionen Websites mit der Endung .fr gemeldet. Im Vergleich dazu sind in Deutschland die registrierten Websites mit der Endung .de zahlenmäßig dreimal höher und überwiegen im Vergleich zu Websites mit den Domainennamen .com. (Quelle: l’Afnic)

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