Mittelstand: Unternehmensnachfolge und Generationswechsel in deutschen und französischen Unternehmen

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
Januar 2020

Die Regelung der Unternehmensnachfolge ist neben der Fachkräftesicherung und der Digitalisierung die aktuell wohl größte Herausforderung für den deutschen und französischen Mittelstand. Eine Folge des demographischen Wandels ist die wachsende Zunahme von anstehenden Betriebsübergaben. Allein bis Ende 2020 planen die Inhaber von 227.000 kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland eine Nachfolgeregelung. In Frankreich werden in den nächsten 10 Jahren mehr als 600.000 Firmeninhaber einen Nachfolger suchen.

Dem deutschen Mittelstand fehlt der Nachwuchs an Chefs und Chefinnen

In Deutschland ist jeder fünfte Firmeninhaber älter als 60 Jahre und gleichzeitig gibt es immer weniger Menschen, die sich selbständig machen wollen. Bei der Unternehmensnachfolge setzen die meisten Firmenchefs auf Familienangehörige oder auf externe Lösungen, wie aus einer Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels 2018 hervorgeht. Zentraler Engpassfaktor für das Finden externer Nachfolger ist die dünn besetzte nachrückende Unternehmergeneration. Der KfW zufolge wollen etwa 227.000 Inhaber ihre Firma bis Ende 2020 in neue Hände geben.

Traditionell sind die meisten Nachfolgelösungen in Deutschland ein Generationswechsel innerhalb der Familie. 2018 zeigte sich jedoch in der KfW-Befragung eine deutliche Verschiebung: Wollten 2017 noch 54 % der Senior-Chefs ihr Unternehmen an ein Familienmitglied übergeben, waren es 2018 nur noch 45 %.

Nachfolgebörsen bieten Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge

Immer mehr Unternehmenschefs nutzen Nachfolgebörsen für die Unternehmensnachfolge.

Mit der Initiative „nexxt“-Unternehmensnachfolge bietet das Bundeswirtschaftsministerium umfassende Informations- und Unterstützungsangebote rund um das Thema Unternehmensnachfolge an. Zentrales Instrument ist die Nachfolgebörse www.nexxt-change.org, über die kostenlos Kontakte geknüpft werden können.

75% der mittelständischen Unternehmen in Frankreich werden an externe Käufer weitergegeben

In Frankreich werden jedes Jahr 75.000 Unternehmen verkauft, davon ca. 15.000 mittelständische und 45.000 kleine Unternehmen. (observatoire.bpce.fr)

Gleichzeitig verschwinden rund 30.000 Unternehmen, weil kein Nachfolger gefunden wird.

Das aktuelle Barometer der Unternehmensübergaben im Mittelstand der CNCFA (Compagnie Nationale des Conseils en Fusions et Acquisitions) in Zusammenarbeit mit Epsilon Research ergab, dass Unternehmensübergaben innerhalb der Familie von französischen Firmenchefs nicht bevorzugt werden. Sie betrafen 2018 nur 25 % der Unternehmensübergaben. 75 % der mittelständischen Unternehmen wurden an externe Käufer weitergegeben.

Neue Reformen unterstützen die Unternehmensübergabe in Frankreich

Eine der letzten großen Reformen des französischen Wirtschaftsrechts, das „Pacte“-Gesetz, soll die Gründung von Firmen vereinfachen, deren Wachstum fördern und bei der Unternehmensübergabe unterstützen. Bei dem sogenannten Pacte Dutreil handelt es sich um eine Regelung zur Verschonung der schenkweise oder von Todes wegen stattfindenden Übertragung von gesellschaftlich gebundenen Unternehmensvermögen von der Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer. Bei Vorliegen der Voraussetzungen werden 75 % des Wertes der schenkweise oder von Todes wegen übertragener Gesellschaftsanteile oder Aktien von der Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer verschont.

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