Neue Berufe und neue Kompetenzen durch Digitalisierung: Eine Chance zur Imagesteigerung der Berufsbildung

Rubrik: Wirtschaft Autor: Alexandra Seidel-Lauer, Leiterin der Medienabteilung der AHK Frankreich

Fachkräftemangel, Berufe im Wandel, neue Fachkenntnisse, angepasste Programme für Aus- und Weiterbildung entwickeln, mehr junge Menschen für die berufliche Bildung gewinnen – die Herausforderungen für Unternehmen und Bildungseinrichtungen sind ebenso groß wie das Potenzial, das in ihnen steckt. Im Aachener Vertrag haben Deutschland und Frankreich beschlossen, hier zusammenzuarbeiten. Um Lösungen zu erarbeiten und den Erfahrungsaustausch von Experten zu initiieren, hat die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer am 8. Oktober 2019 bei Allianz in Paris den Deutsch-Französische Berufsbildungstag veranstaltet.

Im Vorfeld hat die AHK Frankreich eine Umfrage unter deutschen Unternehmen in Frankreich zum Thema Berufsausbildung & Digitalisierung durchgeführt. So haben über 50% der befragten Unternehmen einem Fachkräftemangel, vor allem im technischen Bereich. Die Berufsausbildung ist eine gute Möglichkeit für Unternehmen, sich den technischen Nachwuchs heranzuziehen, allerdings haben über 60% der befragten Unternehmen Probleme, ihre Lehrstellen zu besetzen.
 
Um das Image der Berufsausbildung zu verbessern, wünschen sich die Unternehmen mehr Engagement seitens der Politik und der Schulen : Gemeinsame Kommunikationskampagnen von Bildungseinrichtungen Unternehmen, Verbänden und Ministerien, Einführung der Lehre in weitere Wirtschaftszweige, Vorteile für ausbildende Unternehmen erhöhen, mehr Wertschätzung der beruflichen Bildung bei der Orientierung der Schüler, Verbesserung von Karrierechancen sowie bessere Vernetzung von Schulen und Unternehmen.
 
Dass viele Berufe sich in einem Transformationsprozess befinden, bestätigen 75% der befragten Unternehmen. Generell hält die Digitalisierung Einzug in alle Tätigkeitsfelder. Fast die Hälfte der Unternehmen konstatiert einen Kompetenzmangel digitaler Fähigkeiten ihrer Beschäftigten. Dies stellt für 72% eine Gefährdung ihrer Wettbewerbsfähigkeit dar.
 
Digitale Kompetenzen würden in der beruflichen Bildung nur unzureichend vermittelt, gaben 58% der befragten Unternehmen an. Dies stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen, sie müssen Zeit und Geld investieren, um die Mitarbeiter selbst weiterzubilden. Zudem sei auch die mangelnde Motivation der Mitarbeiter ein Problem, die Digitalisierung im Unternehmen voranzutreiben. Letztendlich fehlen angepasste Schulungsprogramme, die auch international ausgerichtet seien.

Die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer organisiert den Deutsch-Französischen Berufsbildungstag seit 2014, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken und das Image der Berufsausbildung zu verbessern. Sie engagiert sich selbst mit mehreren Programmen in diesem Bereich: Mit der deutsch-französischen Plattform « Ecoles-Entreprises » werden Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen angeregt, um die berufliche Orientierung von Schülern zu beeinflussen und die Veränderung traditioneller Berufe darzustellen. Die Plattform enthält Praktikumsangebote und Informationen für Lehrer und Eltern zu  Karrieremöglichkeiten auf dem deutsch-französischen Markt. www.ee-francoallemand.com

Weiterhin realisiert die AHK Frankreich Mobilitätsprogramme für Lehrlinge aus Deutschland und Frankreich, die einige Wochen im Nachbarland an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen und so interkulturelle Kompetenzen erwerben können. Zudem unterhält sie eine Plattform mit Jobanzeigen und Informationen zum deutsch-französischen Stellenmarkt. www.francoallemand.com

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