Sharing Economy: Gute Wachstumspotenziale für mittelständische Unternehmen in Deutschland und Frankreich

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

Die Sharing Economy boomt. Immer mehr Menschen entdecken den Trend zum „Nutzen statt Besitzen“. Während P2P-Sharing wie Übernachtungen in Airbnb-Privatwohnungen oder Carsharing immer beliebter werden, sind B2B-Sharing-Modelle noch selten. Gerade mittelständische Unternehmen scheinen den Trend zu verschlafen, indem sie sich in ihrer Geschäftsentwicklung nur mit historischen Daten (Absatz-Analysen) beschäftigen, statt innovative Trends aufzugreifen. Es kann für Unternehmen riskant sein, keine Businessmodelle für den Einsatz von Share Economy zu entwickeln, weil sie damit Wachstumspotenzial verschenken.

Die Sharing Economy bietet auch für mittelständische Unternehmen Chancen, wie zum Beispiel die Begünstigung von Wirtschaftswachstum, Verbrauchervorteile und neue Arbeitsplätze. Sie ist aber oft weniger umfassend reguliert ist als die tradierten Wirtschaftszweige.

Europäische Sharing Economy auf Wachstumskurs

Eine 2016 von der Europäischen Kommission durchgeführte Umfrage fand heraus, dass jeder fünfte Deutsche Angebote der Sharing Economy nutzt. Das ist überdurchschnittlich viel – nur Franzosen und Irländer teilen mehr. Allein in Europa belief sich das Transaktionsvolumen der Sharing Economy im Jahr 2016 auf 28 Milliarden Euro. Dies ergab eine Umfrage von PwC. Bis 2025 könnte es auf mehr als 570 Milliarden Euro anwachsen.

Frankreich ist Vorreiter der Sharing Economy in Europa

Unter den westlichen Volkswirtschaften ist in Frankreich die Akzeptanz für geteilte Nutzung am höchsten. Dies ergab eine Studie des Spezialversicherers Lloyd’s in Zusammenarbeit mit Deloitte. Demnach haben von 2015 bis 2018 rund 12 Millionen Franzosen (22%) Produkte geteilt und 17 Millionen (33%) entsprechende Plattformen genutzt. Im Vergleich dazu zählte Deutschland von 2015 bis 2018 mehr als 12 Millionen Anbieter (19%) und 19 Millionen Nutzer (29%) von gemeinsam genutzten Produkten und Dienstleistungen.

Welche Gründe sprechen für die B2B-Sharing-Economy?

Hindernisse für mittelständische Unternehmen wie zum Beispiel Versicherungsprobleme und komplexe Prozesse, die es erschweren, mit einem Sharing-Konzept in eingespielte Abläufe einzugreifen, könnten in Zukunft an Relevanz verlieren, da das wirtschaftliche Umfeld Unternehmen aller Branchen dazu zwingt, schneller und flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren. 

Folgende Gründe sprechen für das Prinzip des Teilens in mittelständischen Unternehmen: 

  • Zusätzliche Ressourcen:Unternehmen, insbesondere KMU, erhalten Zugang zu Ressourcen, auf die sie keinen Zugriff haben, wenn sie nicht gemeinsam genutzt werden. 
  • Schnelleres Reagieren auf Marktveränderungen: Durch die Nutzung externer Sharing-Ressourcen werden Unternehmen effizienter und können schneller arbeiten. Statt teurer Investitionen, bezahlen sie für das, was sie benötigen und wenn sie es benötigen. Dadurch können sie schneller und kostengünstiger auf Marktveränderungen reagieren.
  • Wettbewerbsvorteile: Weitere Vorteile von B2B-Sharing sind der Aufbau von Wachstumspotenzialen in neuen Geschäftsfeldern als „Kompensation“ für gesättigte Märkte, die Wettbewerbsdifferenzierung gegenüber bestehenden Wettbewerbern, die Kostenoptimierungen der Wertschöpfungskette sowie die flexiblere Gestaltung von Geschäftsprozessen durch Sharing-Angebote.

Fazit: B2B-Sharing bietet mittelständischen Unternehmen mehr Flexibilität und Agilität. Sie können sich auf ihre Stärken konzentrieren und den Rest auslagern und sie haben mehr Ressourcen, um bessere Produkte zu entwickeln.           

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