Welche Chancen bietet die Industrie 5.0 mittelständischen Unternehmen in Deutschland und Frankreich?

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
Dezember 2020

Während die Industrie 4.0 die Leistungsoptimierung durch Vernetzung zwischen Maschinen, Prozessen und Systemen in den Vordergrund stellt, geht die Industrie 5.0 einen Schritt weiter. Sie zielt auf weitere Effizienz- und Produktivitätsgewinne durch Verbesserung der Interaktionen bei der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Maschinen ab. Dabei ist Industrie 5.0 keine Option allein für große Industriekonzerne, sondern stellt wichtige Weichen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit gerade für den deutschen und französischen Mittelstand.

Mittelständische Unternehmen in Deutschland und Frankreich können es sich nicht leisten, auf diese fünfte industrielle Revolution zu verzichten. Unternehmen aus den USA und China sind bei Industrie 5.0 europäischen Unternehmen schon jetzt eine Nasenlänge voraus. Obwohl der Europäische Wirtschaftssozialausschuss (EWSA) schon längst erkannt hat, dass ‚Die Verbreitung der Roboterautomatisierung unvermeidlich ist‘, ist Europa in Sachen künstliche Intelligenz immer noch Nachzügler, wie EWSA bemängelt.

Welche Vorteile bietet Industrie 5.0 mittelständischen Unternehmen in Deutschland und Frankreich?

Nicht nur die Großindustrie, sondern auch mittelständische Unternehmen können von der Industrie 5.0 profitieren. Denn in der Industrie 5.0 zählen nicht nur die Anzahl der Maschinen und die Fabrikgröße, sondern das Zusammenspiel aus menschlicher Kreativität und mechanischer Effizienz und Präzision. Maschinen können zwar schneller produzieren, doch ihnen fehlt es an Flexibilität und kritischem Denken.

Wer als Mittelständler in Zukunft wettbewerbsfähig sein will, sollte sich schon jetzt mit den Trends der Zukunft auseinandersetzen. Mittelständische Unternehmen, die frühzeitig in Robotik und in die Fähigkeiten ihrer Angestellten investieren, dürften bereits bald mit Wettbewerbsvorteilen rechnen.

Welche Branchen profitieren von Industrie 5.0?

Automobilzulieferer setzen bereits Cobots (collaborative robots) ein, beispielsweise bei kritischen Prüfaufgaben am Ende der Produktionslinie von Komponenten. Als kollaborativer Roboter oder kurz Cobot wird ein Industrieroboter bezeichnet, der mit Menschen gemeinsam arbeitet und im Produktionsprozess nicht durch Schutzeinrichtungen von diesen getrennt ist.

In der Automobilbranche werden fast täglich neue Anwendungen gefunden, wobei ein kürzlich veröffentlichter Bericht von Kenneth Research vorhersagt, dass der Einsatz von Cobots in der Automobilindustrie bis 2022 jährlich um etwa 43% oder mehr steigen werden.

Schon jetzt können Produkte wie Autos stark individualisiert werden. Doch mit der Industrie 5.0 wird der Personalisierungsgrad weiter zunehmen. So kann jedes Produkt an die jeweiligen Bedürfnisse des Kunden angepasst werden. Neben der Konsumgüter- und Automobilindustrie ist das Konzept auch im medizinischen Bereich umsetzbar, etwa bei personalisierten Medikamenten und Ernährungspräparaten, die dann perfekt auf die gesundheitlichen Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werden können.

Es ist offensichtlich, dass Cobots auch in zahlreichen Branchen des deutschen und französischen Mittelstands ein großes Potenzial besitzen. Aber während Umfang und Ausmaß ihres Einsatzes sich je nach Branche sehr deutlich unterscheiden, ist vor allem ein kultureller Wandel in der Einstellung gegenüber der Automatisierung notwendig.

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