Welche Vorteile bietet der 5G-Netzausbau für mittelständische Unternehmen in Deutschland und Frankreich?

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
November 2020

Der 5G-Netzausbau eröffnet mittelständischen Unternehmen in Deutschland und Frankreich neue Möglichkeiten für die Digitalisierung. Der neue 5G-Netzwerkstandard soll nicht nur höhere Datenraten und verbesserte Kapazitäten schaffen, sondern auch Netze intelligenter verknüpfen.

Der wohl größte Vorteil des 5G-Netzausbaus besteht in der höheren Geschwindigkeit der Datenübermittlung. In Echtzeit können sich intelligente Geräte miteinander austauschen – etwa Fahrzeuge, die aufgrund des Telemetrie-Datenaustauschs Unfälle verhindern. Weitere Vorteile sind eine bessere Abdeckung des gesamten Firmengeländes, volle Kontrolle über die firmeneigenen Daten, weniger Störungen als in öffentlichen Mobilfunknetzen sowie bessere Leistungsparameter für Latenz, Datenrate und Teilnehmeranzahl.

Der 5G-Netzausbau schafft auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit: So lassen sich virtuelle Realitäten zeitgleich ortsunabhängig erleben oder ganze Städte zu Smart Cities umwandeln. Für Industrie und Wirtschaft bedeutet dies eine Automatisierung von Produktionsprozessen, was – davon gehen Forscher aus – Gewinne von mehreren Billionen Euro mit sich bringen könnte.

Deutschland: 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze bis 2035

Deutsche Unternehmen zeigen nach einem langsamen Start beim 5G-Mobilfunk nun wachsendes Interesse an firmeneigenen Netzen. Die Bundesregierung vergibt seit dem 21. November 2019 gesonderte Mobilfunkfrequenzen, damit Unternehmen unabhängig von öffentlichen Netzen eine eigene 5G-Infrastruktur aufbauen können. Davon sollen in erster Linie mittelständische Betriebe profitieren.

Vor allem im industriellen Sektor werden 5G-Netze völlig neue Anwendungen ermöglichen. Smart Factories und das Internet der Dinge basieren auf einer technologieübergreifenden Vernetzung, die keinen Eingriff menschlicher Mitarbeiter erfordert. 5G bietet, kombiniert mit einer Industrial Cloud, außerdem die Möglichkeit, die eigentliche Rechenleistung an einer Stelle zu konzentrieren.

Nach einer Studie des Chipherstellers Qualcomm wird der neue Mobilfunkstandard 5G bis 2035 rund 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Frankreich: Beginn der kommerziellen Nutzung ab Ende 2020

Frankreich gehört zu den Ländern, die am meisten in Verzug sind beim Einsatz des 5G-Mobilfunks. Zudem ist die französische Öffentlichkeit gegenüber der neuen Technologie teilweise skeptisch eingestellt. Rund 70 Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft forderten kürzlich strenge Auflagen zum Schutz von Gesundheit und Umwelt.

Nach einer vom Beratungsunternehmen Accenture durchgeführten Studie in mittleren und großen Unternehmen, bestätigen mehr als die Hälfte der befragten 1.800 Geschäftsführer, dass die 5G-Technologie ihnen nicht erlauben wird, Aufgaben zu bewältigen, die sich nicht auch mit 4G realisieren lassen. Sie sind daher eher abwartend gegenüber der 5G-Technologie.

Eine größere Offenheit gegenüber des 5G-Netzausbaus in Frankreich zeigen die französischen Industrieunternehmen Das belegt eine Studie von CapGemini, nach der 30 % der befragten Unternehmen die 5G-Technologie anstreben.

Die kommerzielle Nutzung von 5G soll in ersten französischen Städten am Jahresende beginnen. Die Versteigerung der Frequenzen hatte sich wegen der Coronavirus-Pandemie verzögert. Ursprünglich sollten die vier großen französischen Telekom-Betreiber bereits im April ihre Gebote abgeben können.

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