Wie die Corona-Krise den Geschäftsreisemarkt verändert

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier
Januar 2021

Mehr Videokonferenzen, weniger Auslandsreisen, verschärfte Passkontrollen, neue Hygienestandards in Flugzeugen, Gesundheitschecks an der Grenze – die Corona-Pandemie hat die Anzahl der Geschäftsreisen stark verringert und das Reiseverhalten verändert. Wird die Corona-Krise die Business-Travel-Welt auch nachhaltig prägen und wie wird der Geschäftsreisemarkt nach dem Corona-Virus aussehen?

Videokonferenzen als Alternative zu Geschäftsreisen?

Ohne Zweifel sparen Videokonferenzen Kosten und viele Unternehmen haben bereits bewiesen, dass sie auch während des Lockdowns mit ausschließlich virtuellem Kontakt gut funktionieren können. Trotzdem werden zukünftig nicht nur große internationale Unternehmen, sondern auch viele mittelständische Firmen und vor allem exportierende Mittelständler auf Geschäftsreisen angewiesen sein. Es ist schwer vorstellbar, dass Geschäfte langfristig über Zoom stattfinden sollen. Ein Geschäftsabschluss oder das Führen eines Teams ist auf digitalem Wege problematisch. Die persönliche Verständigung zwischen den Menschen und Unternehmen wird wichtig bleiben und ist dauerhaft durch rein virtuelle Kommunikationsinstrumente nicht zu ersetzen.

Auch in Zukunft großer Bedarf an Mobilitätsangeboten in Deutschland

Im Jahr 2019 fanden allein in Deutschland 195,4 Millionen Geschäftsreisen statt. Deutsche Unternehmen und öffentliche Institutionen haben für Geschäftsreisen insgesamt 55,3 Milliarden Euro ausgegeben. (Quelle: Verband Deutsches Reisemanagement, VDR)

Vor diesem Hintergrund hat der VDR kürzlich seine Mitglieder (Wirtschaftsunternehmen und Organisationen/Institutionen mit Geschäftsreisenden) zum Geschäftsreisemarkt befragt. Die VDR-Umfrage zeigt, dass der Bedarf an Mobilitätsangeboten auch in Zukunft groß sein wird. Zwar gehen 60 % der Befragten davon aus, dass die Zahl der Geschäftsreisen in ihrem Unternehmen um 30 % abnehmen wird, derzeit haben aber nur 1,2 % der Unternehmen Geschäftsreisen unabhängig vom Reiseanlass ausnahmslos verboten. Und 27,9 % der Befragten halten es für dringend nötig, in ihrem Unternehmen wieder mehr Geschäftsreisen durchzuführen.

Die Notwendigkeit von Reisen werden 49,4 % der befragten Unternehmen aber in Zukunft sorgfältiger prüfen und 50,6 % erwarten, dass die Kosten für Dienstreisen in Zukunft sehr wahrscheinlich steigen werden.

Geschäftsreisen sind für 54 % der Franzosen unerlässlich

Nach einer aktuellen Umfrage des Instituts Opinion Way zu Geschäftsreisen in Frankreich und im Ausland, sind in französischen Unternehmen 16 % der Geschäftsreisen derzeit ganz verboten. Dieser Wert steigt ohne Überraschung auf 46 % bei den Auslandsreisen. Dennoch sind für 54 % der befragten Mitarbeiter Dienstreisen unerlässlich und notwendig.

Trotz der aktuellen Pandemie sind 85 % der Franzosen bereit Geschäftsreisen in Frankreich zu tätigen, 70 % in die französischen Überseegebiete und 72 % innerhalb Europas. 81 % von ihnen wären bereit für ihre Geschäftsreise einen Mietwagen zu leihen, 78 % mit dem Zug zu reisen und 74 % mit dem Flugzeug.

Um Dienstreisen im Kontext der Covid-19-Pandemie zu begrenzen und abzusichern, bevorzugen französische Unternehmen verschiedene Maßnahmen, darunter Videokonferenzen (64 %), eine maximale Antizipation der Reisen (61 %) und die Wahl von Direktverbindungen (57 %).

So muss bei Reisen mit dem Zug oder dem Flugzeug damit gerechnet werden, dass Anschlussverbindungen im letzten Moment gestrichen werden. Die maximale Antizipation erlaubt es Unternehmen schon im Vorfeld zu prüfen, ob die Anreise nicht auch mit dem Auto erfolgen kann oder eine Videokonferenz die bessere Option ist.

© shutterstock.com