Wirtschaftsregion Nordrhein-Westfalen: vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort

Rubrik: Wirtschaft Autor: Jitka Mencl-Goudier

Nordrhein-Westfalen ist eine der wirtschaftsstärksten Metropolregionen Europas und das  bevölkerungsreichste Flächenland Deutschlands. Auf 34.112 Quadratkilometern leben 17,9 Millionen Menschen. Allein im Umkreis von 500 Kilometern um die Landeshauptstadt Düsseldorf leben mit rund 160 Millionen Menschen mehr als 30% der Gesamtbevölkerung der Europäischen Union.

Geografische Lage begünstigt Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit

Als wirtschaftlich stärkstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen im Jahr 2018 ein BIP von rund 705 Milliarden Euro erwirtschaftet. Gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt es damit vor der Schweiz, Schweden, Polen und Belgien. Die geografisch günstige Lage ist ein maßgeblicher Faktor für die wirtschaftliche Stärke Nordrhein-Westfalens. Hier kreuzen sich die großen europäischen Verkehrsrouten. Eines der dichtesten Autobahn-, Schienen- und Wasserverkehrsnetze Europas und die internationalen Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf

sorgen für die notwendigen Personen- und Gütertransportleistungen. Der europäische Hochgeschwindigkeitszug Thalys verbindet Köln mit den Metropolen Paris, Brüssel und Amsterdam in nur wenigen Stunden.

7 Millionen Erwerbstätige im Dienstleistungssektor

Die ehemals von Bergbau und Industrie geprägte Region hat sich zu einem modernen Dienstleistungsstandort entwickelt. Im Jahr 2018 waren über 7 Millionen Erwerbstätige im Dienstleistungssektor beschäftigt. Im Vergleich zu 1970 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen damit mehr als verdoppelt. Gleichzeitig hat sich mit zwei Millionen Beschäftigten die Zahl der Mitarbeiter im produzierenden Gewerbe nahezu halbiert. 99% der Unternehmen und mehr als 70% der Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen gehören zum Mittelstand.

Frankreich zweitwichtigster Wirtschaftspartner

Im Jahr 2018 gingen über 60%  aller Exporte Nordrhein-Westfalens in die EU-Länder. Die bedeutendsten Exportnationen – gemessen am Außenhandelsvolumen – sind die Niederlande, Frankreich und die Vereinigten Staaten. Zu den wichtigsten Exportgütern gehören chemische Erzeugnisse, Maschinen, Metalle sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile. Bei den Importen sind die Niederlande, die Volksrepublik China und Frankreich die bedeutendsten Handelspartner. Die führenden Importgüter sind Kraftwagen und Kraftwagenteile, Metalle, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, elektrische und optische Erzeugnisse, Metalle sowie chemische Erzeugnisse.

Laut Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes, bleiben die Niederlande im ersten Halbjahr 2018 weiterhin das wichtigste Abnehmerland der NRW-Wirtschaft mit exportierten Waren im Wert von 10,5 Milliarden Euro, gefolgt von Frankreich (8,3 Mrd. Euro). Auch bei den Importen führten die Niederlande die Rangliste der wichtigsten Lieferländer an mit 21,5 Milliarden Euro, gefolgt von der Volksrepublik China (13,1 Mrd. Euro) und Frankreich (7,7 Mrd. Euro). Bei den Importen machte der Anteil der EU-Länder über 60% aller Einfuhren aus.

Führender Wissenschaftsstandort Europas

In keiner anderen Region Europas gibt es so viele wissenschaftliche Einrichtungen. Nordrhein-Westfalen zählt 70 Universitäten und Fachhochschulen, 14 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, 12 Max-Planck-Institute und mehr als 50 an den Hochschulen angesiedelte Forschungseinrichtungen. Die Universitäten und Fachhochschulen bilden derzeit 760.000 Studierende aus und zählen mit rund 147.000 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern des Landes.

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