Strukturelle Schwächen, neue Investitionen und der Boom des kombinierten Verkehrs.
Rückgang trotz Umweltvorteilen
Der Schienengüterverkehr in Frankreich spielte einst eine zentrale Rolle, ist heute jedoch marginalisiert. Während in Deutschland rund 20 Prozent der Güter auf der Schiene transportiert werden, liegt der Anteil in Frankreich unter zehn Prozent, in den 1960er-Jahren waren es noch etwa 60 Prozent. Trotz eines hohen Elektrifizierungsgrads von rund 75 Prozent und entsprechend niedriger CO₂-Emissionen stagnierte der Sektor seit seinem Höhepunkt 2007 oder ging sogar zurück.
Strukturelle Ursachen und politische Versäumnisse
Die Gründe für diese Entwicklung sind tiefgreifend. Über Jahrzehnte investierte der Staat vorrangig in den Straßenverkehr, während die Schieneninfrastruktur vernachlässigt wurde. Qualitätsverluste und mangelnde Zuverlässigkeit waren die Folge. Viele Verlader setzten deshalb verstärkt auf den flexibleren Lkw, vor allem auf kurzen Strecken. Gleichzeitig konzentrierte sich die SNCF auf den Personenverkehr und das Hochgeschwindigkeitsnetz. Auch die Deindustrialisierung schwächte den Sektor, da traditionelle Industriekunden an Bedeutung verloren. Zwischen 2019 und 2024 sanken Angebot und Verkehrsleistung weiter.
Anzeichen einer Trendwende
Seit 2024 mehren sich jedoch positive Signale. Mit 32,6 Milliarden Tonnenkilometern stieg das Transportvolumen um fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, auch 2025 setzte sich das Wachstum fort. Ein entscheidender Treiber ist das gestiegene Umweltbewusstsein vieler Unternehmen, die ihre Logistik klimafreundlicher gestalten wollen. Die Schiene gewinnt dadurch wieder an Attraktivität, insbesondere für lange Distanzen.
Boom des kombinierten Verkehrs
Besonders dynamisch entwickelt sich der kombinierte Verkehr. Container werden per Zug über weite Strecken transportiert und für die „letzte Meile“ auf Lkw verladen. Dieser Bereich macht inzwischen fast 45 Prozent des Gesamtaufkommens aus und wächst kontinuierlich. Neue Fernverbindungen mit langen Zugkompositionen steigern die Effizienz und stärken die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Straßentransport.
Investitionen und Wettbewerb als Hoffnungsträger
Auch politisch rückt der Sektor wieder stärker in den Fokus. Ein staatliches Investitionsprogramm in Milliardenhöhe soll Infrastruktur und Terminals modernisieren. Gleichzeitig belebt zunehmender Wettbewerb den Markt: Rund 40 Anbieter sind inzwischen aktiv, der Marktanteil der ehemaligen Staatsgesellschaft ist deutlich gesunken.
Fragile Wirtschaftlichkeit, reale Chancen
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Branche wirtschaftlich anfällig und auf Subventionen angewiesen. Hohe Fixkosten, leere Rückfahrten und die Konkurrenz durch den flexiblen Lkw belasten die Rentabilität. Dennoch sehen Experten eine echte Chance: Wenn Transportströme langfristig und über große Distanzen organisiert werden, kann die Schiene ihre ökologischen und ökonomischen Vorteile ausspielen und im französischen Güterverkehr wieder deutlich an Bedeutung gewinnen.
Autor: Haus & Gross
Quelle: Ein Zug, der durch eine üppig grüne Landschaft fährt Foto – Kostenloses Bild zum Thema Zug auf Unsplash