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Die Corona-Pandemie wird wahrscheinlich auch langfristig zu Veränderungen der Arbeitswelt und der Art des Arbeitens führen.

Studie: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft

Die Corona-Pandemie wird wahrscheinlich auch langfristig zu Veränderungen der Arbeitswelt und der Art des Arbeitens führen. Zudem setzt sich die digitale Transformation in Unternehmen fort. Aktuelle Tendenzen hin zu mehr Nachhaltigkeit und einer veränderten Wirtschaftsordnung dürften dagegen nur vorübergehend sein. Zu diesem Schluss kommt eine Befragung von mehr als 200 Expertinnen und Experten für Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Technologie in Deutschland, die von der Technischen Universität München (TUM), der Bertelsmann Stiftung und dem Münchner Kreis durchgeführt wurde.


Die digitale Transformation nimmt weiter Fahrt auf

92 % der befragten Experten sind überzeugt, dass die Krise die digitale Transformation in Unternehmen beschleunigen wird und dass die im Zuge der Corona-Pandemie eingeführten oder ausgebauten digitalen Anwendungen die Arbeitswelt langfristig verändern werden.

Bis zu 85 % der Experten erwarten, dass mobiles Arbeiten und digitale Konferenzen zur Regel werden. Die Ausübung des Berufs erfolge nicht nur digitaler, sondern auch räumlich und zeitlich flexibler, so die dominierende Meinung. 41 % der Befragten sind außerdem der Auffassung, dass im Homeoffice mehr gearbeitet werde als im Büro.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit wird Virtual Conferencing und Homeoffice auch langfristig Bestand haben. Die Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber liegen auf der Hand: Betriebskosten werden durch Video-Conferencing eingespart und das Arbeiten im Homeoffice verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben.


Tendenz zur nachhaltigeren Arbeits- und Lebensweise nur von kurzer Dauer

Eine stärkere Orientierung an Nachhaltigkeit, ein damit verringertes Verkehrsaufkommen als auch die Stadtflucht werden nicht als fortbestehende Trends eingeschätzt. Nur 17 % der Befragten erwarten demnach, dass die Menschen auch nach Überwindung der Krise einer nachhaltigeren Arbeits- und Lebensweise folgen. Mit einem geringeren Verkehrsaufkommen rechnen gerade einmal 13 %. Entschleunigung und solidarische Unterstützung sind nur für 22 % beziehungsweise 30 % langfristig zu erwarten.

Trotz der weitgehenden Einigkeit darüber, dass digitale Technologien und virtuelle Arbeitsweisen künftig den Alltag in vielen Berufen prägen werden, herrschen nach wie vor Zweifel an der grundsätzlichen Veränderungsbereitschaft von Organisationen und Akteuren. So glaubt knapp ein Drittel der Befragten, dass die Menschen in alte Gewohnheiten zurückfallen, sobald die Corona-Pandemie überwunden ist – allerdings sind 27 % vom Gegenteil überzeugt.


Telekommunikation und IT klare Gewinner der Corona-Krise

Doch welche Wirtschaftsbereiche werden von der Covid-19-Krise auf lange Sicht profitieren? Als klare Gewinner sehen 98 % der Expertinnen und Experten die Telekommunikations- und IT-Branche. Mit 94 % gehen die Befragten von positiven Auswirkungen der Pandemie auf das Gesundheitswesen sowie die Chemie- und Pharmaindustrie aus. Die Wirtschaftsbereiche Tourismus, Gastronomie, Luftfahrt und Automobilindustrie zählen dagegen zu den langfristigen Verlierern. Geteilte Auffassungen gibt es hinsichtlich der Perspektiven von Banken, Versicherungen sowie dem Transportgewerbe. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnet aber damit, dass die Folgen der Pandemie bis Ende 2021 überwunden sein werden.

 

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Autor: Jitka Mencl-Goudier


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