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Für viele Lebensbereiche sind die Folgen des Brexits noch gar nicht vollständig abzusehen.

Stunden der Wahrheit: Versicherung ohne die Insel? Europa 2020

Für viele Lebensbereiche sind die Folgen des Brexits noch gar nicht vollständig abzusehen.
Bezogen auf die Versicherungsbranche jedoch zeichnet sich schon jetzt ab, dass es in Kontinental-Europa eine Marktbereinigung geben wird. Denn eine sogenannte «Ventillösung», eine Versicherung über Drittanbieter aus dem Common Law Bereich, wird mit Vollzug des Brexits in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Die Konsequenz daraus: Erhebliche Prämienvolumina verteilen sich neu und neue solvente Versicherer werden gesucht.

Zugleich bringt es auch die Niedrigzinspolitik mit sich, dass Versicherer gefordert sind, intelligentes Underwriting zu betreiben. In Zeiten, in denen keine nennenswerten Zinserträge mehr erzielt werden können, sind alle Versicherer darauf angewiesen, „technische Erträge“ zu erwirtschaften – also mehr an Prämien einzunehmen als für Schäden zahlen zu müssen.

Für Versicherungsnehmer bedeutet dies, dass sie zwar solventer versichert werden, für den Versicherungsschutz aber tiefer in die Tasche greifen müssen. Zudem sind die Versicherungsnehmer aufgerufen, deutlich mehr in ihr Risikomanagement zu investieren: Um Schadensfälle zu minimieren, haben die Versicherer ihre Anforderungen an Schadenvorsorgestandards deutlich erhöht.

Als Beispiele seien die sogenannten «Constructions» Risiken genannt, also Dezennalrisiken französischer Lesart; dort ist eine Zentrierung auf einige wenige kapitalkräftige Player festzustellen. Cash-flow Underwriting hat hier keinen Platz mehr, und infolgedessen müssen sich Kunden auf erhöhte Kosten einstellen.

Auch der Bereich «Recycling» ist von einer scharfen Risikoselektion betroffen. Paradoxerweise haben ausgerechnet die Rückversicherer dieses Segment für sich entdeckt, vermutlich primär wegen der transparenteren Risikobewertungen oder aus Gründen der Akquisitionskostenreduzierung.

Kurz gesagt: «innocent capacities», d.h. die Zeichnung von Risiken ohne profunde Kenntnis, nehmen stark ab, aber eine grenzüberschreitende Zeichnung von Risiken ist noch nicht in Sicht.

Cabinet FACT sieht in diesem auf Deutschland und Frankreich zentrierten europäischen Markt seine Rolle zuallererst darin, für seine Kunden die passendsten Partner zu finden. Und dies jeweils in enger Zusammenarbeit mit dem Vermittler des Mutterhauses.

Gemeinsam führen wir detaillierte Recherchen und Risikoanalysen durch. Der Bedarf dafür ist groß, denn viele Risikoabschätzungen werden immer komplizierter. Und für die Unternehmenskunden ist es von großer Wichtigkeit, dass auch große Risiken angemessen versichert werden können.

Mit der bevorstehenden Re-Nationalisierung der Märkte sind große Herausforderungen verbunden. Wir freuen uns darauf.
Denn zu einem leistungsfähigen Europa gibt es keine Alternative!

 

Autor: Cabinet FACT


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