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In diesem Jahr werden die Auswirkungen der Pandemie in großen Teilen der deutschen und französischen Wirtschaft zu spüren sein.

Welche Perspektiven erwarten die deutsche und französische Baubranche?

In diesem Jahr werden die Auswirkungen der Pandemie in großen Teilen der deutschen und französischen Wirtschaft zu spüren sein. Im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen ist das Baugewerbe 2020 verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen. Doch was erwartet die deutsche und französische Baubranche in diesem Jahr?


Deutsche Bauunternehmen schauen verhalten positiv nach vorne

Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge ist das Bauvolumen in Deutschland im Jahr 2020 um 4 % auf ca. 444 Mrd. Euro gestiegen, trotz der Corona-Krise. Der Wohnungsbau wird die Baukonjunktur weiter stabilisieren und gegenüber 2020 weiter im Plus bleiben. Dafür sprechen die anhaltend hohe Nachfrage sowie ein hoher Genehmigungsüberhang. Für dieses Jahr rechnen Experten damit, dass wieder rund 300.000 Wohnungen neu errichtet werden. Die Umsatzentwicklung dürfte sich im Maß der Preisentwicklung für Wohnbauarbeiten von ca. 3 % auf 55,9 Mrd. Euro entwickeln.

Für die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau erwarten die Verbände ein Minus von 2,0 %. Das Umsatzvolumen in dieser Sparte wird voraussichtlich 29,5 Mrd. Euro erreichen, wobei der öffentliche Hochbau besser durch die Krise kommen dürfte als der Tiefbau. Im Wirtschaftsbau wird mit einem Umsatz von 48,7 Mrd. Euro gerechnet, das ist ein Rückgang von 2 % gegenüber 2020 (Zentralverband Deutsches Baugewerbe ZDB).


Beschäftigungsaufbau im deutschen Baugewerbe

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe hat sich 2020 im Jahresdurchschnitt noch einmal um 10.000 auf 880.000 erhöht. (ZDB) Auch für 2021 gehen die Bauspitzenverbände weiter von einem leichten Beschäftigungsaufbau um etwa 5.000 Personen aus. Hinzu kommt, dass die Unternehmen ausbilden: 14.146 junge Menschen begannen im vergangenen Herbst ihre Ausbildung in einem Bauunternehmen. Dies sind 3,4 % mehr als im Vorjahr


Frankreich: Wohnungsneubau schwächelt, Sanierung kommt gut durch die Krise

Laut Statistiken der französischen Behörden sind die Umsätze des Bausektors 2020 um 15 % (148 Milliarden Euro) eingebrochen. Gleichzeitig konnte die Branche ihre 1,2 Millionen Arbeitsplätze bewahren. Für den französischen Verband der Bauwirtschaft (FFB) sind diese Indikatoren positiv, denn die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll und die Anzahl der Auszubildenden hat im Ausbildungsjahr 2020/21 mit 7 % einen starken Anstieg verzeichnet. 2020 wurden 500.000 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet. Das waren 40 % mehr als im Vorjahr. (Quelle: CCCA-BTP)

2021 dürfte das Auftragsvolumen im französischen Bausektor gegenüber 2020 um 11 % steigen. Statt dieses Ausnahmejahrs zieht der Bauverband FFB aber lieber die Zahlen von 2019 zum Vergleich heran. Demnach geht preisbereinigt die Baukonjunktur 2021 im Vergleich 2019 um 5,6 % zurück. 2021 könnten im Vergleich zum Vorjahr 50.000 Stellen verschwinden (-4,1 %).

Besorgt sind die Branchenvertreter angesichts der Lage im Wohnungsneubau. Wohnungsbau-projekte gehen 2021 um 12,6 % auf 328.000 Einheiten zurück. Allein bei Einfamilienhäusern dürfte es 2021 zu einem Rückgang von 7 % kommen. Der Sanierungssektor hat 2020 mit einem Rückgang von 8,8 % gut standgehalten und dürfte in diesem Jahr wieder sein Niveau von 2019 erreichen, insbesondere dank der 3,5 Milliarden Euro Staatshilfen, die im Rahmen des französischen Wiederaufbauprogramms France Relance geflossen und vor allem der energetischen Sanierung gewidmet sind.


Lieferengpässe bedrohen die deutsche und französische Baubranche

Die Corona-Krise macht sich auch auf dem Baumarkt bemerkbar und führt zu Lieferengpässen und steigenden Preisen. Branchenvertreter fürchten Baustopps und eine Pleitewelle bei Betrieben. Holz ist seit September 2020 um 15 bis 20 % teurer geworden, Mineralölerzeugnisse um 15 % und Betonstahl sogar um 30 %.

 

Autor: Jitka Mencl-Goudier
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