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Die Region Grand Est (Ostfrankreich) festigt ihre Position als einer der dynamischsten Wirtschaftsräume im Herzen Europas.

Grand Est als attraktiver Standort für ausländische Unternehmen

Die Region Grand Est (Ostfrankreich) festigt ihre Position als einer der dynamischsten Wirtschaftsräume im Herzen Europas. Frau Andrea Stocks, Head of Investment in den Bereichen Bioeconomy, Cleantech und Health bei Grand Est Développement International, beschreibt die Region im Interview als ideales strategisches Sprungbrett für internationale, insbesondere deutschsprachige Unternehmen, die den französischen Markt erschließen und von dort aus globale Wertschöpfungsketten bedienen möchten.

Strategische Lage und logistische Exzellenz

Ein entscheidendes Argument für den Standort ist seine geografische Lage. Mit einer 750 Kilometer langen Grenze zu Deutschland, Belgien, Luxemburg und der Schweiz bietet Grand Est einen unvergleichlichen Zugang zu den Kernmärkten Westeuropas. Die logistische Infrastruktur basiert auf folgenden Eckpfeilern:

  • Direkte Anbindung an die zentralen europäischen Autobahnachsen und ein hochfrequentes Schienennetz für den Güterverkehr.
  • Nutzung des Rheins als transeuropäische Wasserstraße.
  • Die Rolle Straßburgs als zweitgrößter Binnenhafen Frankreichs, der die Region direkt mit den Nordseehäfen wie Rotterdam oder Antwerpen verbindet.

Wie Frau Stocks ausführte, fungiere die Region als logistischer Dreh- und Angelpunkt. Dank der Schengen-Vorteile seien die Lieferketten, etwa in der Automobilindustrie zwischen den Werken von Mercedes-Benz oder Daimler Truck und ihren Zulieferern, heute vollständig grenzüberschreitend integriert. Über französische Niederlassungen werde zudem der Zugang zu frankophonen Märkten in Nordafrika und Quebec signifikant erleichtert.

Industrielle Kultur und Fachkräftepotenzial

Die tief verwurzelte industrielle Tradition der Region gilt als wesentlicher Wettbewerbsvorteil. Laut Frau Stocks herrsche in der Bevölkerung eine hohe industrielle Akzeptanz, was die Realisierung von Neuansiedlungen im Vergleich zu anderen Standorten erheblich vereinfache. Zudem verwies sie auf das große Reservoir an bereits qualifizierten Fachkräften in industriellen Berufsprofilen.

Die akademische Exzellenz stützt dieses Potenzial: Mit 35 Ingenieurschulen und 5 Universitäten verfügt die Region über erstklassigen Nachwuchs. Die Universität Lorraine beispielsweise sei international führend in der Materialforschung. In Straßburg konzentriere sich zudem chemische Spitzenforschung, die bereits mehrere Nobelpreisträger hervorgebracht habe. Spezialisierte Bildungseinrichtungen wie die ENGEES für Wasserwirtschaft oder die ENSTIB für Holztechnologie böten Unternehmen hochspezifisches Know-how.

Vorreiter der „Vier Transformationen“

Grand Est orientiert seine wirtschaftliche Entwicklung an den sogenannten „Vier Transformationen“: der industrielle, digitale, ökologische und gesundheitsspezifische Wandel. Ein besonderer Fokus liegt auf der Bioökonomie, insbesondere der stofflichen Nutzung von Biomasse und der grünen Chemie. Nach Einschätzung von Frau Stocks ist die Verfügbarkeit dekarbonisierter Energie heute ein „Must-have“ für Investoren. Die Region profitiere von einem vorteilhaften Energiemix aus kohlenstoffarmem Nuklearstrom, Wasserkraft und Biogas, wobei Grand Est die führende Region in Frankreich fürBiogas sei. Großprojekte wie die Gigafactory von Holosolis in Saargemünd oder das Wachstum von Voltec Solar unterstreichen diesen Wandel.

Das Ökosystem der Unterstützung: Die Task Force als Erfolgsfaktor

Die regionale Wirtschaftsförderung fungiert als strategischer Koordinator und Türöffner. Ein zentrales Element ist das Konzept der Task Force, die Akteure aller Ebenen – von der Gemeinde, der Region über das Departement bis zur Präfektur – an einen Tisch bringt. Durch diese gebündelte Begleitung könnten Genehmigungsverfahren, vor allem im Umweltbereich, deutlich beschleunigt werden, so Frau Stocks. Die Task Force koordiniere zudem kritische Infrastrukturanbindungen wie Gas- oder Stromanschlüsse und arbeite eng mit Finanzpartnern wie der Innovationsbank BPI zusammen. Ein weiterer Standortvorteil seien die „Ready to use“-Flächen (Sites Clés en Main), die für eine sofortige industrielle Nutzung vorbereitet sind.

Erfolgsbeispiel Bauder und die Deutschlandstrategie

Das Vertrauen deutscher Investoren zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel der Firma Bauder, die rund 100 Millionen Euro in ein neues Werk in Drusenheim investiert hat. Deutschland ist mit einem Anteil von 30 % der wichtigste ausländische Investor. Um diese Partnerschaft zu festigen, hat die Region eine dezidierte „Deutschlandstrategie“ verabschiedet und im laufenden Jahr einen Ostfrankreich-Expansion-Desk in München eröffnet.

Unternehmen profitieren zudem von einer lückenlosen, deutschsprachigen Servicekette, die von spezialisierten Rechtsanwälten und Steuerberatern über Banken bis hin zu Personalvermittlungen reicht. Wie der Präsident der Region, Franck Leroy, treffend feststellte, positioniere sich Grand Est durch die Kombination aus strategischer Lage, dekarbonisierter Energie und industrieller Exzellenz klar in der europäischen „Champions League“.

Autor: Persönliches Interview mit Frau Stocks, Head of Investment Bioeconomy, Cleantech und Health bei Grand Est International Développement, 21.04.2026
Quelle: Foto Sekelompok turbin angin di lapangan hijau – Gambar Keberlanjutan Gratis di Unsplash

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