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Angesichts der Corona-Krise ist die Zahlungsmoral der Unternehmen drastisch gesunken und bedroht zunehmend kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland und Frankreich.

Corona-Krise: Sinkende Zahlungsmoral bedroht deutschen und französischen Mittelstand

Angesichts der Corona-Krise ist die Zahlungsmoral der Unternehmen drastisch gesunken und bedroht zunehmend kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland und Frankreich.

Deutschland: Wirtschaftlich schwache Unternehmen von Zahlungsverzug besonders bedroht
Nach Datenauswertung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf Basis von Millionen Zahlungsvorgängen bezahlen deutsche Unternehmen ihre Rechnungen derzeit im Durchschnitt 11,6 Tage nach dem Fälligkeitsdatum. Im Januar hatte der durchschnittliche Zahlungsverzug noch 10,4 Tage betragen. Dieser Anstieg ist nach Aussage von Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Vereine Creditreform, alarmierend. In den vergangenen Jahren sei der Wert in den schlimmsten Fällen um 0,5 Tage gestiegen, einen Anstieg um 1,4 Tage hat es bisher nicht gegeben. Grundlage für die Daten ist das Debitorenregister Deutschland von Creditreform, in dem monatlich rund sieben Millionen Zahlungsinformationen erfasst werden.

Die Bonität der deutschen Unternehmen ist aber noch vergleichsweise gut. Bei 110.000 Unternehmen gab es in den vergangenen Wochen Anpassungen der Bonität nach unten – das ist nach Aussage von Volker Ulbricht noch eine relativ geringe Zahl, angesichts von 3,5 Millionen Unternehmen in der Datenbank. Verschlechterungen gab es bisher vor allem bei Firmen, die in der Zeit vor Corona schon wirtschaftliche Probleme hatten. Wirtschaftlich schwache Unternehmen und Selbstständige, die auch in der Statistik erfasst werden, geraten also angesichts der Umsatzausfälle zunehmend in Schwierigkeiten.

In der deutschen Wirtschaft hofft man nun darauf, dass die versprochenen staatlichen Hilfen möglichst schnell in den Unternehmen ankommen. Dabei geht es vor allem um das milliardenschwere Kreditprogramm der KfW, mit dem die Firmen kurzfristig Liquidität erhalten sollen – auch damit sie ihre laufenden Rechnungen bezahlen können.


Frankreich: Corona-Krise erhöht Konkurs-Risiko für mittelständische Unternehmen

Auch in Frankreich steigt die Besorgnis, weil Rechnungen aufgrund des wirtschaftlichen Stillstands nicht fristgerecht bezahlt werden. Die großen Unternehmen werden zu Solidarität aufgerufen mit den kleinen und mittleren Unternehmen. So fordert der beim französischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Unternehmensvermittler Pierre Pelouzet die Firmeninhaber auf, ihre Rechnungen zu zahlen und die großen Unternehmen, Solidarität mit den KMU zu zeigen, um zunehmende Insolvenzen zu vermeiden.

Nach dem französischen Recht beträgt die Zahlungsfrist 60 Tage nach Ausstellung der Rechnung. Wenn diese Frist überschritten wird, schätzt man, dass sich ab weiteren 30 Tagen für ein Unternehmen das Risiko sechsmal erhöht, Konkurs zu gehen.

Würde das bestehende Gesetz der Zahlungsfrist strikt respektiert werden, würde die freigesetzte Liquidität 12 bis 15 Milliarden Euro betragen. Das heißt, dass ungefähr 15 Milliarden Euro in den Kassen der Großunternehmen ruhen, statt sich in den Kassen der französischen KMU wiederzufinden. Milliarden von Rechnungen bleiben unbezahlt und werden durchschnittlich mit einer Verspätung von 48 Tagen gezahlt. Man schätzt, dass aus diesem Grund eine von vier französischen KMU in Konkurs geht. Täglich gehen aus Gründen des Zahlungsverzugs fast 40 KMU bankrott. Die Corona-Krise sorgt leider dafür, dass sich diese Quote weiter verschlechtert.

 

Autor: Jitka Mencl-Goudier
© shutterstock.com


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