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Deutsche lernen immer weniger Französisch, Franzosen immer weniger Deutsch.

Deutschland/Frankreich: Wie steht es um die deutsche und französische Sprache im Nachbarland?

Deutsche lernen immer weniger Französisch, Franzosen immer weniger Deutsch. Was sind die Gründe dafür und welche Stellung haben beide Sprachen im jeweiligen Nachbarland?

1,2 Millionen Franzosen sprechen und verstehen die deutsche Sprache

Weltweit sprechen mehr als 134 Millionen Menschen Deutsch. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes wird am häufigsten in Frankreich Deutsch gesprochen. Rund 1,2 Millionen Franzosen sprechen und verstehen die Sprache des Nachbarlandes. (Quelle: Preply)

Doch die Sprache Goethes hat bei vielen jungen Französinnen und Franzosen den Ruf, kompliziert und verzichtbar zu sein. Obwohl Deutschland zu den wichtigsten Partnern Frankreichs gehört und der deutsch-französische Kulturaustausch in beiden Ländern eine wichtige Rolle einnimmt, entscheiden sich mittlerweile nur noch etwa 15 % eines Schuljahrgangs für Deutsch als zweite Fremdsprache. 1995 lag der Anteil der Deutschlernenden noch bei etwa 23 %. Der französische Deutschlehrerverband ADEAF weist auf die Abschaffung der europäischen Sektionen im Jahr 2016 durch die Reform des Collège und die teilweise Abschaffung der zweisprachigen Klassen hin, um diesen Einbruch der Schülerzahlen zu erklären.

Laut ADEAF wählten 1994 in Frankreich mehr als 600.000 Schüler Deutsch als erste lebende Fremdsprache. Im Jahr 2021 waren es weniger als 150.000 (laut der Analyse der Statistiken des französischen Bildungsministeriums durch den ADEAF).  Und auf der Lehrerseite waren im Jahr 2022 mehr als 70 % der Stellen für Deutschlehrer unbesetzt. Insgesamt gibt es heute noch etwa 5.800 Deutschlehrer in Frankreich, 2006 waren es noch 10.000. (ADEAF)

Es ist daher heute besonders erforderlich, Studierende und Quereinsteiger in Frankreich für den Beruf des Deutschlehrers zu motivieren.

Französisch ist die zweithäufigste Fremdsprache an deutschen Schulen

Auch in Deutschland lernen immer weniger Schüler Französisch als Fremdsprache. 1,29 Millionen der 8,44 Millionen Kinder und Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen haben im Schuljahr 2021/22 Deutsch gelernt. Am höchsten war der Anteil der Französisch lernenden Schülerinnen und Schüler mit 19,1 % oder 1,70 Millionen im Schuljahr 2009/2010. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Trotz des Rückgangs in den vergangenen zehn Jahren bleibt den Daten zufolge Französisch nach Englisch die zweithäufigste Fremdsprache an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

Wie häufig Französisch als Fremdsprache in Deutschland erlernt und unterrichtet wird, unterscheidet sich laut Statistikamt aber regional sehr deutlich. So belegte im Saarland mit 51,2 % gut die Hälfte der Schüler Französisch als Unterrichtsfach. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg war es jeweils rund ein Viertel. Alle drei Bundesländer grenzen an Frankreich. Dagegen lernten in Mecklenburg-Vorpommern nur 10,6 %, in Sachsen-Anhalt 10,7 % und in Nordrhein-Westfalen 11,5 % der Schülerinnen und Schüler Französisch als Fremdsprache.

Wie kann die deutsche und französische Sprache wieder attraktiver werden?

Um Schülerinnen und Schüler für die Sprache des Nachbarlandes zu interessieren, sollten vor allem Schüler-Austausche organisiert werden. Bei der Verwirklichung von Austauschprogrammen und der Förderung der Sprache des Nachbarlands können auch Einrichtungen wie das Deutsch-französische Jugendwerk, ProTandem, die Deutsch-französische Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung, der Pädagogische Austauschdienst, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die deutsch-französische Hochschule und viele weitere Einrichtungen behilflich sein.

Autorin: Jitka Mencl-Goudier
©shutterstock.com


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